virtuelle Fachbibliothek Sportwissenschaft

Monographie: Stefanie-Millentrup: Effekte einer multimodalen Intervention auf das kardiovaskuläre Risikoprofil ausgewählter Hochrisikopatienten in der Primärprävention von Herz-Kreislauferkrankungen - Ergebnisse der PräFord-Studie


Logo Weltoffene Hochschule

naechste Seite uebergeordnete Seite vorige Seite

Monographie: Stefanie-Millentrup: Effekte einer multimodalen Intervention auf das kardiovaskuläre Risikoprofil ausgewählter Hochrisikopatienten in der Primärprävention von Herz-Kreislauferkrankungen - Ergebnisse der PräFord-Studie

Monographie / Monografie / Fachbuch

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Kreislaufforschung und Sportmedizin / Abteilung für präventive und rehabilitative Sport- und Leistungsmedizin
Symbol

Millentrup, Stefanie (2014): Effekte einer multimodalen Intervention auf das kardiovaskuläre Risikoprofil ausgewählter Hochrisikopatienten in der Primärprävention von Herz-Kreislauferkrankungen - Ergebnisse der PräFord-Studie

Zusammenfassung:
Einleitung: In den westlichen industrialisierten Ländern sind kardiovaskuläre Erkrankungen nach wie vor die häufigste Todesursache. Standardisierte evidenzbasierte, wissenschaftlich fundierte Konzepte für effektive Präventionsprogramme existieren noch nicht. Zusätzlich ist die Kontrol¬le der klassischen Risikofaktoren in der Primärprävention kardiovaskulärer Erkrankungen als unzureichend anzusehen. Die PräFord-Studie ist zum einen eine prospektive, multizentrische Kohortenstudie zur Bewertung des Risikos für ein kardiovaskuläres Akutereignis (Gesamtkollektiv) und zum anderen eine prospektive, randomisierte, kontrollierte, multizentrische klinische Interventionsstudie für das Hochrisikoteilkollektiv. Ziel der vorliegenden Studie war es, für die Teilkohorte mit hohem kardiovaskulärem Risikoprofil zu evaluieren, ob eine neu konzipierte multimodale Interventionsmaßnahme im Vergleich zu einer KG einen kurz- und langfristigen Effekt (zwei Jahre) auf ausgewählte Risikofaktoren und den ESC-Score hat.

Methode: 286 Patienten, die nach dem ESC-Score ein hohes kardiovaskuläres Risiko von ≥ 5% aufwiesen, wurden in dieser Arbeit ausgewertet. Nach der Randomisierung befanden sich 142 Patienten in der Interventionsgruppe (IG: 124 m/18 w; 62,7 ± 6,9 Jahre) und 144 Patienten in der Kontrollgruppe (KG: 132 m/12 w; 60,9 ± 6,8 Jahre). Die IG erhielt eine 15-wöchige neuartige, multimodale, ambulante Gruppenintervention
(2,5-3 Std. pro Woche) in Verbindung mit leitlinienbasierter Medikation. Die Inhalte bestanden aus den Modulen Ernährung, Sport- und Bewegungstherapie, Psychotherapie, Gesundheitstraining sowie ärztliche Betreuung. Die KG erhielt eine detaillierte Aufklärung hinsichtlich ihres kardiovaskulären Risikofaktorenprofils von einem Facharzt für Kardiologie. Drei Patienten brachen die Interventionsmaßnahme vorzeitig ab.
14 Patienten erreichten im zweijährigen Beobachtungszeitraum sekundäre Endpunkte. Die IG war signifikant (p=0,026) älter als die KG. Weitere relevante signifikante Unterschiede in der Patientencharakteristik gab es zwischen den Gruppen sind nicht.

Ergebnisse: Im unmittelbaren Anschluss an die Interventionsmaßnahme zeigten sich signifikante (p<0,001) Verbesserungen der anthropometrischen Daten (Körpergewicht -2,6 kg; BMI -0,9 kg/m2; Bauchumfang -3,0 cm), des systolischen und diastolischen Ruheblutdrucks (-9,1 mmHg; -5,6 mmHg), der Laborparameter (Gesamtcholesterin -28,2 mg/dl; LDL-Cholesterin
-22,5 mg/dl; Triglyzeride -37,0 mg/dl; HbA1c -0,14%) und des ESC-Scores
(-2,6%). Die Gewichtsreduktion konnte zwei Jahre lang stabilisiert werden (Körpergewicht -1,6 kg und BMI -0,5 kg/m2; p<0,001). Der Effekt auf den Bauchumfang wurde ein Jahr lang stabilisiert (-2,1 cm; p<0,001). In der KG konnten keine signifikanten Veränderungen festgestellt werden. Die Reduzierung der Lipidparameter konnte zwei Jahre lang signifikant stabilisiert werden (Gesamtcholesterin -19,1 mg/dl, p<0,001; LDL-Cholesterin -18,0 mg/dl, p<0,001; Triglyzeride -20,7 mg/dl, p=0,002). In der KG zeigten sich keine signifikanten Veränderungen. Zudem waren die Lipidparameter in der IG im Vergleich zur KG bei der Ein- und Zwei-Jahres-Katamnese signifikant niedriger. Der systolische Ruheblutdruck konnte ein Jahr (IG -6,3 mmHg, KG -1,7 mmHg; p<0,001) und der diastolische Ruheblutdruck zwei Jahre lang (IG -3,2 mmHg, KG -0,8 mmHg; p=0,019) in beiden Gruppen nachhaltig beeinflusst werden. Die absolute Veränderung war in der IG zwar größer, der Unterschied zwischen den Gruppen war jedoch nicht signifikant. Das Rauchen wurde in beiden Gruppen fast vollständig eingestellt (Nichtraucher: IG 99,3%; KG 100%). In der IG zeigte sich nach zwei Jahren eine signifikante Reduzierung der linken (-0,1 mm; p=0,035) und rechten IMT (-0,11 mm; p=0,011). In der KG wurden keine Veränderungen festgestellt. Zusätzlich war die linke IMT zur Zwei-Jahres-Katamnese in der IG signifikant niedriger als die der KG. Die Reduzierung des ESC-Scores konnte in der IG im Vergleich zur KG ein Jahr lang nachhaltig (-1,9%; p<0,001) stabilisiert werden.

Diskussion: Die Ergebnisse bestätigen die Annahme einer klinischen kurz- und nachhaltig wirksamen Reduktion des kardiovaskulären Risikos bei Hochrisikopatienten durch eine multimodale Interventionsmaßnahme. Die kurzfristigen und die nach einem Jahr erzielten Ergebnisse sind als gut zu bewerten. Nach zwei Jahren sind die Effekte auf den ESC-Score und teilweise auf die kardiovaskulären Risikofaktoren nicht mehr vorhanden. Durch eine intensivere engmaschigere Nachbetreuung hätten womöglich länger anhaltende Ergebnisse erzielt werden können. In der Primärprävention von Herz-Kreislauferkrankungen sind kombinierte Maßnahmen zur Ernährungsumstellung, körperlichen Aktivität und zum psychosozialen Management somit als effizient zu bewerten, um das kardiovaskuläre Risiko zu reduzieren.
Durch die Bereitstellung von multimodalen ambulanten Interventions-programmen in Kombination mit einer konsequenten Umsetzung präventiver Maßnahmen könnte das kardiovaskuläre Risiko langfristig reduziert werden.




Introduction: In Western industrialized countries, cardiovascular diseases are still the most frequent cause of death. Evidence- and science-based concepts regarding guidelines and standards for effective prevention programs do not exist yet. In addition, the monitoring of traditional risk factors in the primary prevention of cardiovascular disease is considered to be insufficient. The PreFord Study is a prospective, multicenter cohort study to assess the risk of an acute cardiovascular event (overall collective) as well as a prospective, randomized, controlled, multicenter clinical intervention study for the high-risk part of the cohort. The aim of this study was to evaluate whether a newly designed multimodal intervention program has a short- and long-term effect (two years) on risk factors and the ESC score for the sub-cohort with high cardiovascular risk profile in comparison to a control group.

Methods: 286 patients with an ESC risk score ≥ 5% were evaluated in this study. After randomization, 142 patients were in the intervention group
(IG: 124 m/18 f; 62.7 ± 6.9 years) and 144 patients in the control group
(CG: 132 m/12 f; 60.9 ± 6.8 years). The IG participated in a 15-week (2,5-3 h twice a week) new, multimodal, outpatient intervention in conjunction with guideline-based medication. The program consisted of the modules nutrition advice, exercise, psychotherapy, health training and medical care. The CG received a detailed explanation on their cardiovascular risk factors profile from a cardiologist. Three patients discontinued the intervention prematurely.
14 patients reached secondary endpoints in the two-year observation period. The IG was significantly (p=0.026) older than the CG. No other major significant differences between the groups were observed.

Results: As a result of the intervention, anthropometric data (body weight
-2.6 kg; BMI -0.9 kg/m2; waist circumference -3.0 cm), systolic and diastolic resting blood pressure (-9.1 mmHg; -5.6 mmHg), labor parameters (total cholesterol -28.2 mg/dl; LDL cholesterol -22.5 mg/dl; triglycerides
-37.0 mg/dl; HbA1c -0.14%) and the ESC score (-2.6%) improved significantly (p<0,001).
The weight reduction was stabilized for two years (body weight -1.6 kg and BMI -0.5 kg/m2; p<0.001). Waist circumference was significantly reduced at the one-year follow-up (-2.1 cm; p<0.001). In the CG, no significant changes in anthropometric parameters were observed. The reduction of the lipid parameters could be significantly maintained for two years (total cholesterol
-19.1 mg/dl, p<0.001; LDL cholesterol -18.0 mg/dl, p<0.001; triglycerides
-20.7 mg/dl, p=0.002). In the CG, no significant changes were observed. Furthermore, the lipid parameters were significantly lower in the IG group compared to the CG at the one- and two-year follow-up. The systolic resting blood pressure was significantly reduced at the one-year follow-up in both groups (IG -6.3 mmHg, KG -1.7 mmHg; p<0,001). This was also true for the diastolic resting blood pressure at the two-year follow-up (IG -3.2 mmHg,
KG -0.8 mmHg; p=0,019). Although, the change was higher in the IG, there was no significant difference between the groups. Smoking was almost completely stopped in both groups (non-smoker: IG 99.3%; CG 100%). In the IG, the left and right IMT showed a significant reduction at the two-year follow-up (-0.1 mm; p=0.035 and -0.11 mmHg; p=0.011) compared to the CG. In addition, the left IMT was significantly lower in the IG than in the CG at the two-year follow-up. The reduction of the ESC score could be maintained in the IG up to one year (-1.9%; p<0.001) compared to the CG.

Discussion: The results confirm the short- and long-term efficacy of a multimodal intervention in reducing cardiovascular risks in high-risk patients. This is especially true for the short-term results as well as the one-year follow-up results. At the two-year follow-up, however, the effects on the ESC score and partly on the cardiovascular risk factors do not exist anymore. More intensive follow-up care and cluster programs could have improved the long-term results.
These results highlight the importance of providing multimodal outpatient intervention programs in combination with consistent implementation of preventive arrangements to optimize cardiovascular risk reduction in patients with high-risk in developing cardiovascular disease.



23.10.2017 - 03:17