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Dissertation: Holger Fuhrmann


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Dissertation: Holger Fuhrmann

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Sportsoziologie
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Fuhrmann, Holger (2013): Die Erweiterung des Sportbegriffs als Herausforderung für die kommunale Sportpolitik. Das Beispiel der Sportentwicklungsplanung der Stadt Aachen Zusammenfassung:
Abstract (deutsch)
Die Erweiterung des Sportbegriffs ist ein zentrales Problem der kommunalen Sportentwicklungsplanung und einer Theorie der kommunalen Sportpolitik. Lange Zeit hat ein sehr homogener Sportbegriff, nach dem der Sport weitgehend unter Kriterien des Wettkampfsports begriffen und als Pyramidenmodell des organisierten Sports verstanden wurde, die kommunale Sportpolitik und ihre Planungsinstrumente geprägt. So konnten die ehemals erfolgreichen und allgemein anerkannten Konzepte des „Goldenen Plans“ von einer weitgehenden Symmetrie zwischen dem (engen) Sportverständnis und einem entsprechenden Nutzungsverhalten der Sportinfrastruktur durch die Sporttreibenden ausgehen. Mittlerweile hat sich das Sportpanorama dramatisch verändert. Eine folgenreiche Erweiterung des Sportbegriffs lässt sich allein schon anhand der Daten zum Organisationsbezug der Sportaktivitäten der Bevölkerung erschließen. Die meisten Sportaktivitäten werden mittlerweile unorganisiert bzw. selbstorganisiert betrieben. Mit der Relativierung des Organisations- und Deutungsmonopols der Sportvereine, die sich darin ausdrückt, ist offenkundig der Einfluss eines zentralen Faktors des traditionellen Sportverständnisses (d.h. des homogenen Wettkampfsports) aufgebrochen und reduziert worden. In vielen Städten werden beziehungsweise wurden mittlerweile Untersuchungen zur kommunalen Sportentwicklungsplanung durchgeführt. Die Städte reagieren damit auf einen Strukturwandel des Sports, der mit den bewährten Konzepten und Methoden offensichtlich nicht mehr bewältigt werden kann. Die Untersuchungen zur Sportentwicklungsplanung zeigen dabei, dass mit dem Strukturwandel und der Auflösung einer Symmetrie zwischen dem Wettkampfsport und der Sportplanung von wettkampfgeeigneten Sportstätten große Orientierungsprobleme der kommunalen Sportpolitik verbunden sind. Tatsächlich steht die kommunale Sportpolitik vor einer Zäsur. Sie betrifft die Theorie, die Methoden sowie die Konzepte der kommunalen Sportentwicklungsplanung.
Die Arbeit ist in Auseinandersetzung mit den dargestellten aktuellen Problemstellungen der kommunalen Sportpolitik folgendermaßen aufgebaut:
1. Im ersten Schritt werden die Rahmenbedingungen und Grundlagen der Arbeit skizziert. Dies sind Ausführungen zum Wandel des Sports und zu einem sich damit verändernden Sportbegriff. Weiter geht es um die Frage, inwieweit und in welcher Weise die vorhandenen Modelle der Sportentwicklungsplanung den Gesichtspunkten eines erweiterten Sportbegriffs Rechnung tragen sowie um die Auseinandersetzung mit der Bedeutungssteigerung von Sportgelegenheiten im Zuge des Wandels des Sports und der damit einhergehenden Überschneidung mit anderen Wissenschaftsbereichen.
2. Ein aktuelles Projekt der Sportentwicklungsplanung in der Stadt Aachen ist Kern eines zweiten Abschnitts der Arbeit. Aus der Nahsicht einer konkreten Untersuchung werden die veränderten Bedingungen einer neuen kommunalen, sehr aufwendigen Sportpolitik dargelegt.
3. In der abschließenden „Diskussion“ geht es um die Frage, welche Bedingungen eine zukunftsorientierte Sportpolitik und Sportentwicklungsplanung erfüllen müssen, wenn sie auf der Höhe der gesamtgesellschaftlichen Entwicklung bleiben und die gewachsenen Potentiale von Sport und Bewegung für die Stadtentwicklung nutzen wollen. Dass dies nur im Rahmen einer Integration der Sportentwicklung in die allgemeine Stadtentwicklung gelingen kann, ist Tenor und Quintessenz der vorliegenden Untersuchung.

Abstract (english)
The broadening of the concept of sport is a central problem for local sports development planning and for local sports policy theory. Until recently, public sports policies and planning instruments were based on a very homogeneous concept of sport. Thus, sport was largely understood as competitive sport and pictured as a pyramid model of organized sport. Consequently, the formerly successful and widely accepted concept “Goldener Plan" could emanate from a broad symmetry between the (narrow) understanding of sport and its corresponding pattern of sport infrastructure usage. Today, the sporting landscape has changed dramatically. The broadening of the concept of sport is documented by changing sporting behaviour within communities. Nowadays, most sports activities are organised outside traditional club or other structures and often self-organized. Hence, the softening of the almost all-encompassing, quasi-monopoly position of sports clubs demonstrates that the influence of a central factor of the traditional understanding of sports - the homogeneous competitive sport - has been broken and reduced. Many local governments have carried out assessments of their sports development planning. Clearly, such cities seek to respond to the structural change of their respective community’s sporting behaviour, which can hardly be captured and addressed with traditional concepts and methods. The evaluation of sports development plans shows significant disorientation of local sports policies considering the above-described structural shifts and the vanished connection between competitive sport and the planning of sports facilities for competitive sport. Actually, community sports policy is facing a radical turning point. This relates to the theory, methods and concepts of local sports development planning.
The thesis is structured in the following manner:
First, the framework and foundations of the thesis are outlined. Those relate to the change of what we consider to be ‘sport’ and, consequently, a new sport concept.
Second, a critical analysis of existing models of sports development planning is conducted, especially in the light of a broadening concept of sport.
Third, the current debate is advanced, which is concerned with the importance of alternative communal exercise and activity spaces in order to satisfy and support the changing sports activity patterns. Overlaps and links with other scientific disciplines are analysed.
Fourth, a case study of sports development planning in the city of Aachen, Germany, is central to the next part of the thesis. It describes the changed conditions of a new and extensive local sport policy based on detailed insights.
Fifth, and finally, ramifications of future-oriented sports politics and policies are discussed and what kind of sport development planning is required in order to remain in tune with societal development in general and with the growing potential of sport and exercise for urban development in particular. The core argument is that those objectives can only be met if sports development considerations become integral part of general urban development.


23.10.2017 - 03:17