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Dissertation: Martin Boss


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Dissertation: Martin Boss

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Psychologisches Institut, Abt. Gesundheit & Sozialpsychologie
Boss, Martin (2012): Soziale Ansteckung und interpersonelle Dysbalance im Sport 
- Eine experimentelle Untersuchung Zusammenfassung:
Plötzliches Versagen der gesamten Mannschaft wird unter anderem mit dem Phänomen der sozialen Ansteckung von schlechter Leistung erklärt. Die Absicht der vorliegenden Arbeit ist es, auf Grundlage von Heiders Balancetheorie einen Erklärungsansatz für die soziale Ansteckung von Fehlern im Sport zu liefern. Der Wahrnehmung von aufgabenbezogenen Kompetenzen wird dabei genauso wie der Wahrnehmung von Beziehungsqualitäten eine zentrale Rolle zugeschrieben. Darauf aufbauend stellen sich anhand zweier Studien mit vier Zielstellungen (1, 2A, 2B, 2C) folgende Kernergebnisse heraus: (1) In Studie 1 zeigen sich wie angenommen balancetheoretische Kompensationsmechanismen, die durch die experimentelle Manipulation, nämlich die Rückmeldung schlechter Partnerleistung bei einer teamorientierten Gleichgewichtsaufgabe, hervorgerufen werden. Es stellt sich heraus, dass der wahrgenommene Leistungseinbruch des Partners in den meisten Fällen durch die Abwertung des situativen Beziehungswerts balancetheoretisch kompensiert wird. (2A) Studie 1 kann durch Studie 2 vollständig repliziert werden. (2B) Innerhalb der Zielstellung 2B wird der Einfluss des sportbezogenen Selbstwerts auf die balancetheoretischen Kompensationsmechanismen untersucht. Es zeigt sich, dass infolge der Wahrnehmung eines Leistungseinbruchs des Partners ein hoher sportbezogener Selbstwert in Zusammenhang mit der Abwertung des situativen Beziehungswerts steht. (2C) In Zielstellung 2C werden die objektiven Gleichgewichtsleistungen näher betrachtet. Es zeigen sich Tendenzen, dass sich die Wahrnehmung einer plötzlichen Leistungsverschlechterung des Partners ansteckend auszuwirken scheint. Aus den gewonnenen Erkenntnissen kann gefolgert werden, dass die Balancetheorie ein geeigneter Ansatz ist, um interpersonelle Dynamiken vor dem Hintergrund sozialer Ansteckung zu beschreiben. Zukünftig sollten innerhalb experimenteller Untersuchungen vor allem sportartspezifische Aufgaben herangezogen oder reale Spielgeschehen analysiert werden, um letztendlich für die Sportpraxis spezifische Empfehlungen geben zu können, wie ein kollektives Versagen einer Mannschaft verhindert werden kann.

Social contagion and interpersonal imbalance in sport –
An experimental approach

Sudden collective collapse of the entire team is often described as the phenomenon of social contagion of weak performance. The aim of the present study is to provide a theoretical approach for the social contagion of mistakes or weak performance in sports based on Heider’s balance theory. In this context, the central roles are attributed to the perceptions of task related competencies, as well as the perception of the quality of the relationship. Based on this, two studies pursued four concerns (1, 2A, 2B, 2C): (1) As assumed, the first study highlights that balance theoretical compensatory mechanisms are caused by the manipulation by using false negative feedback of weak performance of the partner while a team oriented coordinative task. It turns out that the partner’s perceived decline in performance is mostly compensated through the devaluation of the situational value of the relationship. (2A) Study 1 can be replicated completely through study 2. (2B) Within objective 2B, the impact of sport related self-worth on balance theoretical compensatory mechanisms is investigated. Consequently, resulting from a perceived partner’s decline in performance, a strong sport related self-worth is connected to a devaluation of the situational value of the relationship. (2C) The aim of objective 2C is to investigate the objective performance more closely. Tendencies show that the perceived sudden decline of the partner’s performance seems to be contagious. Looking at the findings it can be assumed that the balance theory seems to be an applicable approach to describe interpersonal dynamics based on social contagion. Future research should consider sport specific tasks within experimental research designs or real game situations should be analyzed to finally enable sport specific recommendations how a collective collapse of a team can be prevented.


30.04.2017 - 03:19