virtuelle Fachbibliothek Sportwissenschaft

Dissertation: Silja-Kirsten Steinkamm


Logo Weltoffene Hochschule

naechste Seite uebergeordnete Seite vorige Seite

Dissertation: Silja-Kirsten Steinkamm

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Schulsport und Schulentwicklung
Symbol

Steinkamm, Silja-Kirsten (2011): Ganzheitliche Betreuung von übergewichtigen und adipösen Kindern und Jugendlichen an Hauptschulen

Zusammenfassung:
Abstract deutsch: Dissertation Silja Kirsten Steinkamm

Einleitung
Die steigende Prävalenz von Übergewicht und Adipositas im Kindes- und Jugendalter stellt ein immer häufiger auftretendes Problem an deutschen Hauptschulen dar. Mit zunehmendem Übergewicht steigt das Risiko potenzieller Komorbiditäten, z.B. einer arteriellen Hypertonie, Typ-2-Diabetes mellitus und orthopädische Problemen.
Hauptschüler stellen durch ihre Lebensbedingungen, sozioökonomischen Status und Migrationshintergrund eine Risikogruppe dar und sind bedingt durch ihre Entwicklungsstufe stärker adipositasgefährdet als Schüler anderer Schulformen.
Zusätzlich finden sich bei Hauptschülern psychische Störungen, z. B. vermindertes, körperbezogenes Selbstwertgefühl und erhöhtes Aggressionspotential. Niedrige Selbstakzeptanz, bedingt auch durch negative Außenbewertung, begünstigt den Kreislauf aus emotional bedingten Essen und Verringerung der Alltags- und Freizeitaktivitäten. Juvenile Adipositas muss aufgrund gesundheitlicher Folgen auch im Erwachsenenalter und daraus resultierenden Kosten für das Gesundheitssystem frühzeitig verhindert oder minimiert werden. Stationäre und ambulante Therapien für Kinder und Jugendliche sind kostenaufwändig und können nur begrenzt die familiäre Lebenssituation der Schüler verändern.
Durch eine detaillierte Fragebogenerhebung in Kombination mit körperlicher Untersuchung von 1626 Hauptschülern wurden grundlegende Daten erfasst. Die Ergebnisanalyse diente der Entwicklung eines ganzheitlichen Betreuungsprogramms.

Methodik
Bei 1626 Hauptschülern aus fünf Hauptschulen des Rhein-Sieg-Kreises wurden die möglichen Einflussgrößen Alter, Geschlecht, Größe, Gewicht, BMI, Taillenumfang und Hautfaltendickenmessung modifiziert nach SLAUGHTER untersucht.
Im Rahmen der Arbeit wurden die Probanden mittels Fragebogenerhebung analysiert sowie Zusammenhänge zwischen Alter, Geschlecht und BMI-Klassifikation hinsichtlich Familienstrukturen, Konflikt- und Aggressivitäts-, Freizeit-, Bewegungs- und Essverhalten als auch der Motivation zur Teilnahme an einer schulbasierten Intervention untersucht. Die Ergebnisse der Fragebogenerhebung bilden die Grundlage für ein ganzheitliches Präventions- und Betreuungsprogramm für übergewichtige und adipöse Hauptschüler.

Ergebnisse
Das Alter der Probanden des Gesamtkollektivs (n = 1626) lag zwischen 9,9 und 19,8 Jahren, Mittelwert: 14,2 ± 1,8 Jahre. Gemittelt waren die Kinder und Jugendlichen 59,1°°15,7 kg schwer und 163,0°°10,9 cm groß. Der Taillenumfang für das Gesamtkollektiv betrug minimal 45,0 cm, maximal 133,0 cm, Mittelwert: 73,5 cm  11,6 cm. Zwischen Jungen und Mädchen bestand ein hoch signifikanter Unterschied (p = 0,001).
Jungen (56,9°%) waren durchschnittlich 6,0 cm größer und 4,1 kg schwerer als die Mädchen (43,1°%) und wiesen einen höheren Bauchumfang auf (jeweils p ≤ 0,001). Der BMI betrug 22,1°°4,6 kg/m². Die Hautfaltendicken für das Gesamtkollektiv betrug beim Triceps minimal 3,4 mm, maximal 56,6 mm und im Mittel 15,5 mm  8,0 mm. Die Hautfaltendickenmessung subscapulär betrug für das Gesamtkollektiv minimal 1,0 mm, maximal 56,6 mm und gemittelt 13,5 mm  8,3 mm. Die Ergebnisse der Hautfaltendicken subscapulär zeigten hoch signifikante Unterschiede (p°<°0,001) zwischen Jungen und Mädchen.
Die Untersuchung der anthropometrischen Daten zeigt, dass 65,2 % der Probanden normalgewichtig, 14,8 % übergewichtig und 15,4 % adipös sowie 4,6 % untergewichtig waren; es bestand kein Unterschied zwischen den Geschlechtern.
Kernziele der Fragebogenerhebung waren neben probandenbezogenen Daten, Freizeitverhalten, Lebensqualität, Einflussfaktoren der Familie, Bedürfnisse der Probanden, Barrieren gegenüber sportlicher Aktivität. Motivation zur Teilnahme am Betreuungsprogramm. Die Datenanalyse diente der Entwicklung des ganzheitlichen Betreuungsprogramms.

Diskussion
Die Resultate zeigen aufgrund der negativen Einwirkung auf die Gesundheit, Psyche und soziale Integration, die Notwendigkeit einer effizienten, ganzheitlichen Betreuung von Hauptschülern. Hierzu ist die enge Begleitung durch bestehende organisatorische, soziale und kommunikative Strukturen im Sinne einer Gesundheitsförderung und -prävention erforderlich. Schulinterne Strukturen, Beratungen, Stressmanagement für Schüler, Eltern und Lehrer müssen optimiert werden, um eine Vernetzung von allen mit der Thematik der schulbasierten Gesundheitsförderung und Betreuung von übergewichtigen und adipösen Hauptschülern konfrontierten Berufsgruppen zu ermöglichen.
Die Studie zeigt, dass in der Hauptschule eine Betreuung Übergewichtiger und Adipöser durch effiziente, multidisziplinäre Präventions- und Interventionsmaßnahmen möglich ist. Bestehende gesundheitsfördernde Maßnahmen müssen jedoch zukünftig effektiver umgesetzt werden, um bereits übergewichtige und adipöse Schüler in der Hauptschule zu erreichen. Neben universellen Maßnahmen müssen selektive sowie gezielte Präventionsmaßnahmen integriert werden, die alle Schüler und speziell die Bedürfnisse der Risikogruppe ansprechen.
Die in der vorliegenden Arbeit vorgestellten internen und externen Maßnahmen im Rahmen des Gesundheitskonzeptes sind praxisnahe Ansätze und Orientierungshilfen für schulbasierte Gesundheitsförderung, Betreuung und Therapie von übergewichtigen und adipösen Schülern in Hauptschulen.

Abstract englisch: Dissertation Silja Kirsten Steinkamm

Introduction:
Rising prevalence of overweight and adiposity in childhood and adolescence is a more frequently occurring problem in german secondary grammar schools. Increasing overweight triggers a risk of potential co morbidities such as arterial hypertension, Type 2 diabetes mellitus and orthopaedic diseases. Depending on living conditions, socio-economical status and migration background students of secondary grammar schools present a special risk group and are therefore more endangered to suffer from overweight and adiposity. Psychological or mental-health problems such as low self respect and elevated potential of aggression are often found in these students. Low self esteem, additionally promoted by negative third person judgement, brings forward a vicious circle of emotionally triggered alimentation and reduction of day-to-day and leisure activities. Juvenile adiposity due to health problems not only during adulthood and its resulting costs for the public health system needs to be prevented or at least minimized. Inpatient and ambulatory therapies for children and adolescents are cost-effective and have only a limited ability to change the family living conditions of the students. A detailed student questionary in combination with physical examination of 1626 secondary grammar school students allowed for acquisition of basic data. Analysis of results served for development of an integrated mentoring and supervision student program.

Methods:
Influencing parameters as age, sex, height, weight, body mass index, waistline and skin fold thickness modified after SLAUGHTER et al. of 1626 students from five different secondary grammar schools of the Rhein-Sieg school department were documented. Analysis of the students was done by questionary and relations between age, sex and body mass index classification regarding family structures, conflict and aggression behavior, leisure time, activities and alimentation as well as motivation to participate in school based interventions were investigated.
The results of the questionary established the base for an integrated prevention and mentoring and supervision program for overweight and obese secondary grammar school students.
Results:
The age of the test probands (n=1626) was in between 9,9 and 19,8 years. Mean: 14, 2 ± 1, 8 years. The children and adolescents weighed 59, 1 ± 15,7kg and were 163cm ± 10,9cm tall. The waistline ranged from 45, 0 cm to 133,0cm. Mean: 73,5cm ± 11,6cm. The intersexual difference was highly significant (p=0,001)
Male students (56, 9%) in average were 6cm taller over female students (43, 1%) and weighed 4,1kg more. Female students presented an elevated waistline. (p≤0,001)
The mean value for BMI was 22, 1 ± 4, 6. The skin fold thickness for sub scapular measurements ranged from 1 to 56,6mm, mean 13, 5 ± 8,3mm. The results showed a highly significant difference between male and female students.
The analysis of the anthropometric data illustrates that 65, 2% of the students had normal weight. 14, 8% of the students were overweight and 15, 4% suffered from obesity. 4, 6% were underweight. There was no difference between the sexes. Main targets of the questionary apart from proband-related data were leisure time activities, quality of life, influential factors of the family, personal needs of the probands, barriers against sport activities and motivation to participate at an integrated mentoring and supervision student program. Data acquisition served for the development of an integrated mentoring and supervision student program
Discussion:
The results prove the necessity, due to the negative effects on physical and mental health social integration, of an efficient integrated mentoring and supervision program of secondary grammar school students. A close supervision through existing social and communicative as well as organizational structures in the sense of health prevention and promotion is mandatory. School structures, advisory services, stress management for students, parents and teaching personnel have to be implemented and optimized in order to reach a network of all concerned parties regarding health prevention and promotion of overweight and obese secondary grammar school students.
This study demonstrates that mentoring and supervision of overweight and obese students is possible by the means of efficient, multidisciplinary prevention and intervention. Existing possibilities for interventions have to be applied more effectively in order to reach overweight and obese students. Apart from general interventions selective and targeted preventive actions have to be integrated to address all students and in particular the needs of the risk group.
The internal and external actions being part of an integrated health concept are practical steps and offer orientating support for school based health promotion, mentoring and supervision and therapy of overweight and obese students.


23.10.2017 - 03:17