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Dissertation: Anne Hutmacher


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Dissertation: Anne Hutmacher

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Sportgeschichte
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Hutmacher, Anne (2011): Die Entwicklung des Frauenruderns in Deutschland

Zusammenfassung:
Zusammenfassung

Obwohl es zu Beginn des 21. Jahrhunderts eine Selbstverständlichkeit sein sollte, dass Frauen und Männer in allen gesellschaftlichen Bereichen gleichgestellt sind, suggeriert das „Jahr der Frauen im Sport“ 2010 unter dem Motto „Frauen Gewinnen!“, dass dieser Prozess noch nicht abgeschlossen ist. Auch im Deutschen Ruderverband, dem ältesten deutschen Sportfachverband, wird dieser lange Kampf um Anerkennung und Gleichberechtigung ersichtlich.
Der Rudersport galt lange als „gentleman“-Sport, der mit Attributen wie Kraft, Ausdauer, Stärke und Männlichkeit assoziiert wurde. Der Deutsche Ruderverband hemmte durch seine Einstellung und das Festhalten an tradierten Wertvorstellungen die Entwicklung des Frauenruderns erheblich. Medizinische und ästhetische Vorurteile sowie gesellschaftliche Vorbehalte erschwerten den Sportlerinnen den Zugang zu dieser Sportart erheblich. Dabei datieren die ersten Versuche von Frauen auf das Jahr 1884, als die Ruderinnen mit „Rock und Riemen“ in viel zu schweren Booten das Rudern aufnahmen. Anfänglich betrieben nur Frauen der Oberschicht den Sport: Rudern war ihnen Mittel zum Zweck, um sich sportlich in einem abgegrenzten, gesellschaftlichen Umfeld zu betätigen. Mit der immer größer werdenden Zahl an Ruderinnen wuchs allerdings auch das Bedürfnis nach geeigneten Vergleichsmöglichkeiten im Wettkampfbereich, so dass bereits Anfang des 20. Jahrhunderts erste Regatten im Stil- und Rennrudern abgehalten wurden. Mit der Gründung des Deutschen Damen-Ruder-Verbandes wurde 1919 eine überregionale Dachorganisation geschaffen, die sich um die Belange der Ruderinnen kümmerte.
Neben der Darstellung der historischen Entwicklung des Frauenruderns wird des Weiteren eine Einordnung der Frage des Selbstverständnisses des deutschen Rudersports und die Partizipation von Frauen vor 1945 sowie die Rolle der Frau in Ost- und Westdeutschland in den politischen und sozialgeschichtlichen Kontext vorgenommen. Die staatliche Teilung nach dem Zweiten Weltkrieg bedeutete für beide deutschen Verbände eine Forcierung des Leistungssports im Kampf der Systeme. Der Blick auf die Rolle der Frau im Rudersport verdeutlicht die unterschiedliche Frauenpolitik im Bereich des Sports und fasst die sportlichen Ergebnisse beider Verbände in einer vergleichenden Leistungsbilanz zusammen. Im Zuge der Wiedervereinigung lösten sich die ostdeutschen Vereine auf und traten nach Auflösung des Deutschen Ruder-Sport-Verbandes dem Deutschen Ruderverband bei.
Nach 160 Jahren Rudersport in Deutschland lagen und liegen Kontinuitäten und Brüche, Progression und Stagnation sowie Erfolg und Misserfolg häufig nah beieinander. Diese sporthistorische Untersuchung vermag den bisherigen Weg nachzeichnen, kann aber keine Prognose dafür geben, wann im Deutschen Ruderverband die Zeit für eine „Schlagfrau“ kommen wird.


Abstract

At the beginning of the 21st century it should be assumed as a matter of course that women have equal rights and chances in society. However, 2010 was declared to be the year of “women in sports” in Germany: they were approached to commit themselves to leadership. The slogan of the campaign (“Winning women!”) proves that the quest for gender equity has not been accomplished yet. The history of the German Rowing Federation (Deutscher Ruderverband) can be considered as an example of the long struggle of women for recognition and equality.
Rowing used to be known as a “gentleman-sports” which has commonly been associated with power, endurance, strength and manliness. The Deutscher Ruderverband impeded the development of women’s rowing in Germany due to its attitude and maintenance of traditions. Although the first attempts of women in rowing boats were taken in 1884, it took a long time for oarswomen to overcome medical and aesthetic prejudices and beliefs. In the beginning of women’s rowing in Germany only ladies of the upper-class experienced this sports. However, their predominant interest was to interact and socialise within their own class and they were not seriously interested in exerting physical efforts. As the number of oarswomen grew, many wanted to compete in regattas so the German Ladies Rowing Federation (Deutscher Damen-Ruder-Verband) was founded in order to organize competitions with regard to rules and regulations.
The thesis focuses on the historical development of women’s rowing on the one hand, and the role of women in society and sports on the other hand. It is necessary to differentiate the further development in East and West Germany as the division following the Second World War led to intensified state interest in top level sports as it served for the comparisons of both political systems. Hence, the role of women in top level sports in both countries is analysed accordingly.
160 years of women’s rowing in Germany have revealed progression and success as well as stagnation and failure. This historical development has left its traces within the Deutscher Ruderverband, however, it remains unpredictable to say how long it will take until the oldest German sport federation will be “stroked” by a woman.


15.12.2017 - 03:16