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Dissertation: Uli Marienfeld


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Dissertation: Uli Marienfeld

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Sportsoziologie / Abteilung Geschlechterforschung
Marienfeld, Uli (2010): Die Bedeutung von Emotionen und deren Ausdrucksformen für die soziale Konstruktion von Männlichkeiten im Schulsport. Zusammenfassung:
Zur Bedeutung von Emotionen und deren Ausdrucksformen für die soziale Konstruktion von Männlichkeiten im Schulsport – Eine Studie mit Jungen in einem Hochseilgarten
Uli Marienfeld
Deutsche Sporthochschule Köln, Institut für Sportsoziologie, Abteilung Geschlechterforschung Promotionsstudie bei Univ. Prof. Hartmann-Tews
„Jungen zeigen keine negativen Emotionen!“ Diese stereotype Ansicht über Heranwachsende wird auch heute noch verbreitet. Mit einer Studie wurde der Frage nachgegangen, ob das Verhalten von Jungen in Situationen, die Angst hervorrufen können tatsächlich so einheitlich ist. Unter Bezugnahme der Ansätze zur sozialen Konstruktion und den Prinzipien der hegemonialer Männlichkeit (Connell, 2005) sowie dem Verständnis von sozial geformten Emotionen (Holodynski, 2006) wurde gefragt, ob sich die vermeintlich einheitlichen Verhaltensmuster - wie das Nichtausdrücken von Angst und das Diskriminieren derer, die sie doch zeigen - , nachweisen lassen. Als Setting wurde das Klettern in einem Hochseilgarten gewählt. Neben den Videoaufnahmen dienten verschiedene Interviews als Grundlage der Untersuchung. So wurden die Jungen jeweils kurz vor und nach dem Klettern befragt. Außerdem konnten sie einige Wochen nach der Aktion in Einzelgesprächen die Videoaufnahmen betrachten, auf denen ihr Klettern zu beobachten war. Sie äußerten sich in diesem Zusammenhang rückblickend dazu, wie sie die Situationen damals erlebt hatten.
Es zeigte sich bereits bei der Betrachtung der Gesamtgruppe (29 Jungen), dass das Verhalten der Jungen sowie ihr emotionaler Ausdruck alles andere als einheitlich war. Auch gab es keinerlei Anzeichen von Diskriminierung von Jungen, die ihre Gefühle stärker zum Ausdruck brachten als andere. Vielmehr ergab sich durch das Vergleichen der Einzeldarstellung, dass es ganz unterschiedliche Typen in Bezug auf die Art und Weise des Darstellens von Angst gab. Jeder der Jungen zeigte diese Emotion in mindestens einer Weise. Bis auf wenige Ausnahmen formulierten sie Angst auch verbal an einer oder mehreren Stellen der Interviews. Dies alles spricht dafür, dass die eingangs formulierte Aussage in ihrer Allgemeingültigkeit so nicht haltbar ist. Die Jungen zeigten eine Vielfalt emotionaler Ausdrucksformen von Angst. Auch war die Bedeutung des Zeigens der Angst für die soziale Konstruktion ihrer Männlichkeit sehr unterschiedlich. Diese Ergebnisse sind mit den differenzierten Darstellungen des Heranwachsens von Jungen kompatibel, wie sie Neuber (2009) gibt.
Literatur
Connell, R.; Messerschmidt, J.W: (2005) Hegemonic Masculinity: Rethinking the Concept. In: Gender Society 2005 19/6 p 829-859 Thousand Oaks, USA
Holodynski, M. (2006) Emotionen – Entwicklung und Regulation. Heidelberg: Springer.
Neuber, N. (2009) Supermann kann Seilchen springen. Bewegung, Spiel und Sport mit Jungen. Dortmund: Borgmann Media.

The Relevance of Emotions and Emotional Expressions for Social Construction of Masculinity in Physical Education – A Survey with Boys in a Ropes Course
Uli Marienfeld
„Boys don’t show any negative emotions!“ This stereotype is still widely spread. The field study deals with the question whether behaviour of boys – in situations that might cause fear – is still uniform. Referring to the concept of hegemonic masculinity (Connell, 2005) and the idea of socially-formed emotions (Holodynski, 2006) the question was, whether patterns of behaviour – e.g. the hiding of fear or discriminating of those who do show fear instead – are still as uniform as the introducing statement suggests.
The ropes course was chosen as setting for the field study, which includes video-tapes and interviews. The boys were asked directly before and after climbing. In addition some weeks later they were shown the videotape of their own actions one-by-one and they were asked to comment how they remembered their experiences.
Looking at the whole group it was obvious that the behavior was rather heterogeneous. In addition, there was no trace of discrimination against those boys that showed emotions more directly than others. In fact the comparison of the individuals could identify different types of expressing emotions of fear. Each of the boys expressed fear in at least one way. Nearly all of them did also verbally in some parts of the interviews.
Reflecting all the results the introducing statement is not likely to be recognized as universally accepted. Boys did show a variety of emotional expressions of fear. And the meaning of showing these emotions for social construction of masculinity was different. These results are in harmony with Neuber (2009) who suggests a differenciated characterization of the development of boys.
Literature
Connell, R.; Messerschmidt, J.W: (2005) Hegemonic Masculinity: Rethinking the Concept. In: Gender Society 2005 19/6 p 829-859 Thousand Oaks, USA
Holodynski, M. (2006) Emotionen – Entwicklung und Regulation. Heidelberg: Springer.
Neuber, N. (2009) Supermann kann Seilchen springen. Bewegung, Spiel und Sport mit Jungen. Dortmund: Borgmann Media.


28.06.2017 - 03:16