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Dissertation: Ansgar Molzberger


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Dissertation: Ansgar Molzberger

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Institut für Sporgeschichte
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Molzberger, Ansgar (2010): Die Olympischen Spiele 1912 in Stockholm - ''Vaterländische'' Spiele als Durchbruch für die Olympische Bewegung

Zusammenfassung:
Abstract

Die in Stockholm ausgetragenen Olympischen Spiele von 1912 gelten gemeinhin als Durchbruch für die Olympische Bewegung: Zum einen waren sie im Unterschied zu den nur an (Welt-)Ausstellungen angegliederten Spielen von 1900, 1904 und 1908 eine eigenständige und kompakt arrangierte Festveranstaltung – ein Verdienst, der dem Stockholmer Organisationskomitee zuzuschreiben ist. Zum anderen stellten sie die Premiere für eine Reihe von Neuerungen dar, die zum festen Bestandteil kommender Olympischer Spiele wurden. Dass damit ausgerechnet der Veranstaltung von 1912 eine solche sporthistorische Bedeutung zukommt, entbehrt nicht einer gewissen Ironie. So steckte hinter dem gelungenen Fest zwar in der Tat großes Engagement des Organisationskomitees, dieses verfolgte jedoch keineswegs das primäre Ziel, mit den Spielen einen nachhaltigen Beitrag für die Weiterentwicklung der internationalen Olympischen Bewegung leisten zu wollen. Vielmehr betonten die Organisatoren immer wieder die „vaterländische“ Sache, sollten die patriotisch geprägten Spiele doch vor allem einen Beitrag zur Steigerung des nationalen Zusammengehörigkeitsgefühls leisten und darüber hinaus das Ansehen Schwedens in der Welt steigern. In dieser Motivation des Stockholmer Organisationskomitees lagen dann auch zumeist die Gründe für die (sport-)diploma-tischen Krisen und Streitigkeiten mit dem IOC, die im Zusammenhang mit den Olympischen Spiele immer wieder ausgefochten werden mussten.
Die vorliegende Arbeit stellt erstmals die Planung, Durchführung und Wirkung der Olympischen Spiele von 1912 – nicht die Ergebnisse der sportlichen Wettkämpfe, die bereits in verschiedenen Publikationen aufgearbeitet wurden – umfassend im Rahmen einer Monografie und unter Zuhilfenahme der nahezu komplett erhaltenen Originalquellen dar. Forschungsgrundlage war das im IOC-Archiv in Lausanne, vor allem aber im Stockholmer Riksarkivet vorliegende Material, hier wurden etwa 15.000 Seiten der vorhandenen Archivalien berücksichtigt. Um eine monokausale Einordnung der Stockholmer Spiele in den sporthistorischen Kontext zu verhindern, diente – insbesondere bei der Untersuchung ihrer Rezeption und Wirkung – die dreifache Perspektive einer schwedischen, deutschen und internationalen Sichtweise als Leitlinie beim Anfertigen der Arbeit.


Abstract

The 1912 Stockholm Olympics are regarded as a breakthrough for the Olympic Movement. On the one hand, unlike the 1900, 1904 und 1908 games, which were mere adjuncts to the (World) Exhibitions, they were staged as a self-contained and compact festive event: a contribution for which the Stockholm Organising Committee must be given credit. On the other hand, they introduced a number of innovations, which were to become integral parts of future Olympic Games. The fact that for this very reason the 1912 events gained such significance in the history of sport is not without a certain irony. Indeed, the Organising Committee contributed a great deal to the success of this festival; however, their work was in fact not devoted primarily to the cause of the International Olympic Movement. Rather, time and again the Organising Committee emphasised the “nationalistic” aspect; since the patriotic character of the games was intended to contribute to strengthening national solidarity and, moreover, to enhancing Sweden’s reputation in the world. This Stockholm Organising Committee’s motivation was largely responsible for most of the sporting diplomatic crises and disputes with the IOC, which frequently had to be fought out in connection with the Olympic Games.
For the first time, this study comprehensively addresses the planning, implementation and impact of the 1912 Olympic Games, – not the results of the sporting competitions, which have already been covered in various publications, – in the framework of a monograph and based on the almost completely intact original sources. The IOC archive in Lausanne formed the basis of research as well as the material available in the Stockholm Riksarkivet in particular, where account was taken of ca. 15,000 pages of available archives. To avoid a one-sided classification of the Stockholm games in the sport-historical context, the triple perspective of Swedish, German and international points of view served as a guideline when completing this work, especially in the study of the reception and effect of the games.


16.08.2017 - 03:16