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Dissertation: Katharina-Melanie Engelhard


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Dissertation: Katharina-Melanie Engelhard

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Psychologisches Institut
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Engelhard, Katharina-Melanie (2009): Zum Anteil der Aufmerksamkeit an der erhöhten Sturzhäufigkeit im Alter - Eine experimentelle Untersuchung unter besonderer Berücksichtigung der Fähigkeit zur Aufmerksamkeitsverschiebung

Zusammenfassung:
Zusammenfassung

Stürze sind im Alter eine der häufigsten Ursachen für schwere Verletzungen. Darüber hinaus stürzen Ältere häufig in Situationen, in denen sie während des Gehens gleichzeitig eine weitere Tätigkeit ausführen. Die nachlassende Fähigkeit der Älteren mehrere Dinge gleichzeitig zu tun ist gut belegt (z.B. Craik & Byrd, 1982). Teasdale (1993) begründet diese nachlassende Fähigkeit zum einen mit einer reduzierten Verarbeitungskapazität und zum anderen mit der Unfähigkeit die Aufmerksamkeit angemessen zwischen zwei Aufgaben zu verteilen.
Die vorliegende Arbeit prüft, ob aufmerksamkeitsbedingte Defizite das erhöhte Sturzrisiko der Älteren erklären können, indem sie die Auswirkungen einer zweiten Aufgabe auf die Hindernisvermeidungsleistung bei jungen und älteren Erwachsenen vergleicht. Dabei wurden altersspezifische Defizite in der Fähigkeit zur Aufmerksamkeitsverschiebung angenommen. Des Weiteren wurde geprüft, inwiefern ausgewählte Persönlichkeitseigenschaften (Ängstlichkeit, Extraversion, Sensation Seeking, Gewissenhaftigkeit, Kontrollüberzeugungen) die Fähigkeit zur Aufmerksamkeitsverschiebung beeinflussen.
An der Studie nahmen 30 sportlich aktive junge (20 - 34 Jahre; M = 25.37; SD = 3.13) und 42 sportlich aktive ältere Probanden (58 - 71 Jahre; M = 65.64; SD = 3.56) teil. Keiner der Teilnehmer hatte in der Vergangenheit einen Sturz erlitten.
In mehreren Analysen wurden die Aufgabenleistungen verschiedener Alters- und Persönlichkeitsgruppen in einer Signalentdeckungsaufgabe und einer Hindernis-vermeidungsaufgabe unter Einfach- und Mehrfachaufgabenbedingung miteinander verglichen. Dabei wurden sowohl absolute (Anzahl erkannter Signal, Anzahl Hinderniskontakte) als auch relative (Doppelaufgabekosten) Werte betrachtet. Während der Aufgabenbearbeitung gingen die Teilnehmer in einer festgelegten Geschwindigkeit auf einem Laufband (0.8 m/sec für die älteren Erwachsenen; 1.2 m/sec für die jüngeren Erwachsenen).
Festzuhalten ist, dass altersspezifische Unterschiede in den Auswirkungen einer Signalentdeckungsaufgabe auf die Hindernisvermeidungsleistung ebenso wenig gefunden werden konnten, wie altersspezifische Unterschiede in den Auswirkungen auf die Hindernisvermeidungsstrategie. Ein Einfluss der Persönlichkeitseigenschaften auf die Aufgabenleistungen unter Mehrfachaufgabenbedingung konnte lediglich für die Verletzungsangst nachgewiesen werden. Während die Hindernisvermeidungsleistung in der Gruppe der eher mehr verletzungsängstlichen Personen um 22.40% abnimmt (15.16% in der Gruppe der moderat verletzungsängstlichen Personen), sinkt die Entdeckungsleistung nur um 4.53% (4.55% in der Gruppe der moderat verletzungsängstlichen Personen). Darüber hinaus zeigte sich unabhängig vom Alter und den Ausprägungen in den Persönlichkeitseigenschaften immer eine Priorisierung der Signalentdeckungsaufgabe. Während die Hindernisvermeidungsleistung von der Einfach- zur Mehrfachaufgabenbedingung durchschnittlich um 22.69% abnimmt, sinkt die Signalentdeckungsleistung lediglich um 4.16%.

Abstract

Falls are a major cause of severe injuries in older age. Frequently, the elderly fall when they are engaged in an additional task while walking. In recent years, empirical research provided evidence that the ability to perform several task simultaneously is decreased in older age (see Craik & Byrd, 1982). According to Teasdale (1993) this is due to a decreased attentional capacity and difficulties to shift attention adequately between two simultaneously performed tasks.
The aim of the present thesis was to examine whether age related differences in the ability to shift attention can provide further explanation for the increased risk of falling of elderly. Therefore, it was examined whether an additional signal detection task influences the obstacle avoidance performance in young and older adults differently. Moreover, it was investigated whether specific personality traits (anxiety, extraversion, sensation seeking, conscientiousness, control beliefs) influence the ability to shift attention.
Altogether 30 physically active young (20 – 34 years, M = 25.37; SD = 3.13) and 42 physically active old (58 – 71 years; M = 65.64; SD = 3.56) adults participated in this study. None of them had suffered of a fall in the past.
The performance of different age- and trait-groups in a signal detection task and an obstacle avoidance task were compared during single- and dual-task conditions. Both absolute (number of detected signals, number of obstacle contacts) and relative (dual-task costs) values were considered. During both tasks participants were walking on a treadmill (pace was 0.8 m/sec for the elderly and 1.2m/sec for the young).
No age related differences were found regarding the influence of the additional signal detection task on the performance in the obstacle avoidance task. An effect of personality traits on task performances in dual-task conditions could only be confirmed for fear of injury. While the obstacle avoidance performance in the rather more afraid-of-getting-injured group decreases by 22.40% (versus 15.16% in the moderate afraid-of-getting-injured group) the signal detection performance decreases by 4.53% only (versus 4.55% in the moderate afraid-of-getting-injured group). Moreover, in all age- and trait-groups the signal detection task was prioritized during dual-task conditions. Whereas the obstacle avoidance performance decreases by 22.69% in average in the dual-task condition compared to the single-task condition, the signal detection performance decreases by 4.16% only.



26.05.2017 - 03:18