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Dissertation: Jutta Drewniok


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Dissertation: Jutta Drewniok

Dissertation / Doktorarbeit / Thesis

Deutsche Sporthochschule Köln
Lehrstuhl für Musik- und Tanzpädagogik
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Drewniok, Jutta (2009): Zum Selbstverständnis der Tänzerin in der Tanzgeschichte

Zusammenfassung:
Zusammenfassung

Der Tanz ist zu jeder Zeit ein Spiegelbild der jeweiligen Gesellschaft. Ebenso spiegelt die Rolle der Frau im Tanz zu jeder Zeit ihre Rolle innerhalb der Gesellschaft wider.
In der Geschichte des Tanzes ist die Tänzerin immer weiter in den Vordergrund und schließlich in den Mittelpunkt gerückt und auch heute noch ist der Tanz eine Domäne der Frau. Die historischen und psychologischen Ursachen dafür zu finden, warum trotz aller Schwierigkeiten und Entbehrungen, die der Tänzerberuf mit sich bringt, gerade Frauen ihr Leben dem Tanz verschreiben, ist ein Anliegen dieser Arbeit. Zum anderen soll das Wissen darum genutzt werden, um zu verstehen, warum auch heute noch verstärkt Frauen im Beruf der Bühnentänzerin zu finden sind und inwieweit ihnen der Tanz helfen kann, die historisch bedingten Probleme einer Subjektwerdung zu kompensieren.

Im ersten Teil der Arbeit werden dazu die Biographien berühmter Tänzerinnen in den unterschiedlichen Epochen der Tanzgeschichte betrachtet. Es geht dabei darum, zu untersuchen, wie sich die Tänzerinnen als Person und ihre Rolle als Tänzerin verstanden haben. Dabei zeigt sich, dass die Lebensführung der Tänzerinnen, egal welche Art zu tanzen sie favorisiert haben, erstaunliche Parallelen aufweisen. Die Ausschließlichkeit mit der die Frauen sich dem Tanz widmeten, bot für die Tänzerinnen in tragisch-faszinierender Weise zugleich die Möglichkeit der Selbstverwirklichung und der Flucht. Die Konfliktbewältigung durch Rückzug auf den eigenen Körper aber verhinderte eine wirkliche Selbstentfaltung und psychosoziale Entwicklung.

Im Mittelpunkt des zweiten Teils stehen die Problematik der Subjektwerdung von Frauen und die Chancen, die der Tanz im Subjektwerdungsprozess bietet.
Der Tanz als Körperkunst stellt in diesem Zusammenhang für Frauen eine aussichtsreiche Quelle dar, um ihnen Möglichkeiten einer Selbstbegegnung sowie neue Entfaltungsräume zu eröffnen. Gerade aber im Bühnentanz wird der Tanz für viele Frauen zu einem Zufluchtsort, um eigentlichen Konflikten und sozialen Auseinandersetzungen auszuweichen.
So bleibt der professionelle Tanz sowohl bedingt durch seine Strukturen als auch durch den Umgang der Tänzerinnen mit ihm in seiner therapeutischen Wirkung weitgehend eingeschränkt und macht eine Entfaltung der eigenen Persönlichkeit beinahe unmöglich.
Jenseits des professionellen Tanzbetriebes bietet der Tanz in der kreativen schöpferischen Auseinandersetzung Möglichkeiten sich und andere tiefer kennen zu lernen und sich neue Formen des Selbstseins zu erschließen. Durch die bewusste oder unbewusste Nutzung seiner therapeutischen Potentiale können die Frauen im Tanz in Kontakt zum eigenen Innenleben treten und sich mit sich selbst auseinandersetzen.

Abstract

Dance has always been a mirror of society. Likewise, the woman’s role in dance has always reflected her role in society. In the history of dance the female dancer has finally been in the focus of interest and even today dance is the woman’s domain.
This work deals with historical and psychological reasons why especially women feel this extraordinary passion for dance despite all these difficulties and sacrifices. Furthermore this work focusses on the question why especially women work as professional dancers and shows to what extent dance can help them to compensate the historical problems of finding their own identity.

The first part of the dissertation presents the lives of famous female dancers in different epochs of dance. It examines how the female dancers see themselves as human beings as well as their role as dancers. In doing so, it becomes obvious that there are parallels between their ways of life. The exclusiveness with which women dedicated their lives to dance gave them the chance of self-realization as well as escape from reality. Nevertheless, a real development of their identity was not possible.

The second part of the work focusses on the chances as well as on the problems of this development. As dance is deeply linked with the woman’s body it offers them opportunities to develop themselves.
But especially in professional dancing women experience dance as a possibility of escaping from individual problems and social conflicts. Because of its structure and the women’s dealing with it, the professional dance is limited in its therapeutic effect an makes it difficult for female dancers to find their own identity.
Apart from professional dancing, dance in its creative shape gives women the chance of getting to know themselves and others. Because of the conscious or unconscious use of its therapeutic possibilities female dancers can experience their own body and mind.


20.10.2017 - 03:19