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Dissertation: Christian Kahl


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Dissertation: Christian Kahl

Lehrstuhl für Musik- und Tanzpädagogik DEUTSCHE SPORTHOCHSCHULE KÖLN Univ.-Prof. Dr. Dr. Karl Hörmann

Wirksamkeit einer musiktherapeutischen Intervention bei Mobbingbetroffenen

Inauguraldissertation zur Erlangung des Grades eines Doktors der Sportwissenschaften an der Deutschen Sporthochschule Köln vorgelegt von

Dipl. Musiktherapeut Christian Kahl

aus Bönen 2006

Zusammenfassung: In der hier beschriebenen Studie wurde mit einer Gruppe von acht Mobbingbetroffenen eine sechswöchige Intervention durchgeführt. Die Interventionsgruppe wurde mit einer Kontrollgruppe verglichen; Ziel der Intervention war es, einen verbesserten Umgang mit Mobbing zu bekommen und ein verbessertes Selbstwertgefühl der Betroffenen zu erreichen.

In der vorliegenden Arbeit wird zunächst das Problem Mobbing vor dem Hintergrund der Ursachen und Folgen für die Betroffenen und Gesellschaft diskutiert, wobei die persönlichen Folgen für die Betroffenen im Vordergrund stehen. Dahingehend werden die psychischen und somatischen Auswirkungen für Betroffene von Leidenszuständen zu Krankheitsbildern beschrieben. Die Intervention beinhaltete das künstlerische Element der Musikimprovisation. Innerhalb der sechswöchigen Intervention wurde im Gruppen- und Einzelsetting gearbeitet, die Kontrollgruppe wurde zeitversetzt untersucht.

Für die Diagnose von Mobbing wurde nach einem multimodalen Ansatz der ``Leymann Inventory of Psychological Terror'' (LIPT) als spezieller Mobbing-Fragebogen von den Betroffenen ausgefüllt. Zusätzlich wurde nach ``WHO Internationale Klassifikation von Krankheiten'' (ICD-10) klassifiziert. Die Veränderung wurde mit dem ``Freiburger Persönlichkeitsinventar'' (FPI-R), dem ``Inventar Interpersonaler Probleme'' (IIP), dem salutogenetischen Fragebogen des ``Sense of Coherence'' (SOC) sowie der ``Psychotherapeutischen Basisdokumentation'' (PsyBaDo) erfasst. Dabei wurden die ``Individuellen Therapieziele'' (IIZ) mit den Betroffenen der Interventionsgruppe abgestimmt und im Einzelsetting bearbeitet. Die Sitzungen wurden per Video dokumentiert und das Feedback der Probanden notiert. Nach Ablauf der Sitzungen wurde das Erreichen der IIZ mit den Betroffenen überprüft. An Hand der Videoaufzeichnungen wurde mittels der Rhythmisch- Energetischen- Strukturanalyse (RES) zu Beginn und zum Ende der Intervention die Improvisation der Probanden ausgewertet. Die Ergebnisse der Diagnose und die Veränderung werden entweder als Netzdiagramm oder als Tabelle dargestellt und anschließend diskutiert.

Die RES zeigt eine Zunahme der sympathikotonen Rhythmusformen und damit eine verbesserte Selbstbehauptung und einen größeren Abstand zum Mobbingproblem. Durch die Intervention konnte die persönliche und soziale Sicherheit der Betroffenen gestärkt werden und damit zu einem verbesserten Selbstwertgefühl führen. Dies zeigt sich in einer verbesserten Lebensorientierung (SOC) gemessen über einen gestiegenen SOCges. Es konnte der SOCges erhöht werden, die Komponente der Bedeutsamkeit stieg dabei am stärksten. Die Verbesserung der Selbstannahme und das Selbstwertgefühl kann in der PsyBaDo gezeigt werden. Die Stärkung der persönlichen und sozialen Sicherheit durch die Intervention wird auch durch das Erreichen der entsprechend formulierten IIZ von den Probanden und von Therpeutenseite bestätigt. Eine ``deutliche Verbesserung'' hinsichtlich des Verständnisses von Mobbing konnte erreicht werden. Das IIPges konnte leicht reduziert werden, obwohl es sich hierbei um eher stabile Persönlichkeitsmerkmale handelt. Dabei stiegen tendenziell die Aspekte zur Selbstbehauptung der Persönlichkeit und reduzierten sich die Aspekte der Selbstunsicherheit. Die im FPI erfassten Persönlichkeitsaspekte bleiben stabil.

Insgesamt kann festgehalten werden, dass die Intervention vor dem Hintergrund einer hier entwickelten, speziellen Mobbingdiagnose und einer Verbesserung des Umgangs der Betroffenen mit Mobbingproblemen, die an sie gestellten Anforderungen erfüllen konnte; die Ziele wurden erreicht. Als Ergebnis der Intervention zeigt sich, dass Mobbing in erster Linie durch die Arbeit am eigenen Selbst sowie die Verbesserung des Selbstvertrauens bearbeitet werden muss, womit ein höheres Selbstwertgefühl erreicht wird, um mit mehr Abstand dem Mobbingproblem zu begegnen. Für diese Arbeit bietet sich Musik als ein reflektierendes Medium an, das als Musikimprovisation in möglichst kurzer Zeit und ohne spezielle Fertigkeiten eingesetzt werden kann. In dem Handhaben des Instruments und dem Hören seines eigenen Klangwerkes wird die Lebensmelodie (Lebensmethode) erlebbar und kann reflektiert werden, um dann im geschützten Raum der Intervention in verschiedene Richtungen verändert zu werden. Durch dieses ``Probehandeln'' wird das eigene Verhalten hörbar und kann dann vom Klienten bearbeitet werde.

Abstract: The present paper describes a study involving a six-week intervention carried out with a group of eight victims of mobbingi. The intervention group was compared with a control group; the aim of the intervention was to develop a better way of dealing with mobbing and to achieve an improved sense of self-esteem on the part of the persons affected.

The present study discusses firstly the problem of mobbing in the context of its causes and consequences for victims and society, focusing mainly on the personal consequences for the victims. For this purpose the emotional/psychological and somatic consequences for victims of distress states will be described in the form of clinical symptoms. The intervention included the artistic element of music improvisation. The work was carried out in groups and on a one-to-one basis within the six-week intervention, the study of the control group being deferred in time.

To diagnose mobbing based on a multi-modal approach, the victims completed the ``Leymann Inventory of Psychological Terror'' (LIPT) as a specific mobbing questionnaire. Classification according to ``WHO International Classification of Diseases'' (ICD-10) was also carried out. Changes were recorded using the ``Freiburg Personality Inventory'' (FPI-R), the ``Inventory of Interpersonal Problems'' (IIP), the ``Sense of Coherence'' salutogenic questionnaire (SOC) and the ``Psychotherapeutic Basis Documentation'' (PsyBaDo). ``Individual Intervention Targets'' (IIZ) were co-ordinated with the victims in the intervention group at the same time and were dealt with in a one-to-one setting. The sessions were documented by video-recordings and the feedback from the test persons was noted. Achievement of the IIZ was checked with the victims after completing the sessions. Improvisation by the test persons was assessed at the beginning and end of the intervention using Rhythmic-Energetic-Structural Analysis (RES) based on video recordings. The results of the diagnosis and the variation are presented either as a network diagram or as a table, after which they are discussed.

The RES showed an increase in sympathicotonic rhythm forms and thus improved self-assertion and greater distancing from the mobbing problem. The intervention enabled the victims' personal and social sense of security to be strengthened, thus leading to an improved feeling of self-esteem. This manifested itself as improved life orientation (SOC) as measured via an increased SOCtotal. An increase in SOCtotal was achievable, the significance component ``meaningfulness'' showing the greatest increase. The improvement in self-acceptance and feeling of self-esteem was demonstrable in the PsyBaDo. The reinforcement of personal and social feeling of security resulting from the intervention is also confirmed by the achievement of the appropriately worded IIZ by the test persons and on the part of the therapist. It was possible to achieve a ``marked improvement'' regarding the understanding of mobbing. It was possible to reduce the IIPtotal slightly, although this involves rather stable personality traits. There was a tendency for the self-assertion aspects of personality to increase and the self-doubt aspects to decrease. The personality aspects recorded in the FPI remained stable.

The overall conclusion is that, against the background of a specific diagnosis of mobbing developed here, and an improvement in the way the victims handled mobbing problems, the intervention was able to fulfil the requirements expected of it and the aims were achieved. As a result of the intervention it is evident that mobbing must be dealt with primarily by the person working on their own self and by improving self-confidence, thus achieving a greater sense of self-confidence and confronting the mobbing problem through greater distancing. Music is an obvious choice as a reflective method for this work, and can be used as music improvisation in the shortest possible time and without any special skills. By the victim handling the instrument and hearing his/her own tonal creation, it becomes possible to experience the melody of life (life method) which can be reflected on to enable its modification in various directions in the protected environment of the intervention. The client's own behaviour is made audible to them through this ``experimental activity'' and they can then address it.

15.12.2017 - 03:16