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Dissertation: Timo K. Stiller


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Dissertation: Timo K. Stiller

Aus dem Institut für Sportdidaktik der Deutschen Sporthochschule Köln Geschäftsführender Leiter: Prof. Dr. W. Kleine

OBERSTUFENSPORT ZWISCHEN RICHTLINIENANSPRUCH, ABITUR UND UNTERRICHTSALLTAG

von der Deutschen Sporthochschule Köln zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Sportwissenschaft angenommene Dissertation

Vorgelegt von: TIMO K. STILLER aus Bad Hersfeld

Köln 2004

Timo K. Stiller: Inhaltsangabe der Dissertation

Problemstellung: Betrachtet man die Anforderungen, die seit den letzten dreißig Jahren an oberstufengemäßen und abiturrelevanten Sportunterricht gestellt werden, könnte sich folgender Eindruck verdichten: Je länger die Diskussionen andauern, desto komplexer und anspruchsvoller erscheinen die Anforderungen, denen der Sportunterricht als gleichwertiges Fach im Kanon der Abiturfächer genügen muss. Sieht sich der Schulsport in den siebziger und achtziger Jahren schwerpunktmäßig einem Qualifikationsauftrag verpflichtet, der sich im Grundkurs auf die Vertiefung und Verbesserung konditioneller Fähigkeiten und technomotorischer Fertigkeiten in ausgewählten Sportarten konzentriert und im Leistungskurs vornehmlich die Vermittlung wissenschaftstheoretischen Fachwissens vorsieht, richtet sich in den neunziger Jahren der Blick zunehmend auf die erzieherischen Potentiale des Sports, um mit ihnen einen entsprechenden Anteil an der Trias der Ziele der gymnasialen Oberstufe leisten zu können. Analysiert man die Richtlinien und Lehrpläne Sport für Gymnasien des Landes Nordrhein-Westfalen aus dem Jahre 1999 mit Blick auf die Umsetzung abiturrelevanten Sportunterrichts, verdichtet sich jedoch der Verdacht, allein Lösungen bzw. Umsetzungshilfen auf einer theoretischen Ebene beschrieben zu haben. Eine Anbindung an eine detaillierte Problemsituation aus dem Unterricht, auf welche die empfohlenen Absichten eine konkrete Qualitätsentwicklung darstellen, bleibt hingegen verborgen. Ebenfalls verborgen bleiben jedoch auch vergleichbare Normen und Kriterien der Abiturfähigkeit, welche den Status eines Abiturfaches legitimieren. Demnach könnte es als folgerichtig bezeichnet werden, dass mit der Einführung der neuen Richtlinien und Lehrpläne das Ministerium für Schule und Weiterbildung, Wissenschaft und Forschung des Landes Nordrhein-Westfalen (Mswwf) quasi die Konsequenzen aus den fachdidaktischen Versäumnissen zieht und dem Sportunterricht der gymnasialen Oberstufe eine grundsätzliche Legitimation als viertes Prüfungsfach in der Abiturprüfung abspricht. Gleichzeitig wird dem Fach Sport jedoch die Rücknahme dieses Beschlusses in Aussicht gestellt, falls es innerhalb eines Schulversuchs gelinge, die Abiturfähigkeit des Faches nachzuweisen.

Zielsetzung der Arbeit: Ausgehend von dem Schulversuch liegt die inhaltliche Schwerpunktsetzung der Arbeit darin, die Schieflage zwischen theoretischer Fachdiskussion und konkreter Unterrichtssituation auszugleichen.

Diese Zielsetzung ist: geprägt von dem Auftrag und Anspruch, die Abiturfähigkeit des Faches Sport zu evaluieren, beeinflusst von den Rahmenvorgaben und Auflagen des Mswwf, mit Blick auf mögliche Konsequenzen der Ergebnisse für den zukünftigen Stellenwert des Faches sicherlich auch direkt oder indirekt einem gewissen Druck ausgesetzt, Aussagen über Möglichkeiten, aber auch Grenzen des Faches treffen zu wollen. Eine grundlegend didaktisch-normative Aufgabe besteht für die vorliegende Arbeit daher in dem Versuch, ein auf qualitative Aussagen angelegtes und mit Blick auf die RuL'99 operationalisierbares Raster zu erstellen, vor dessen Folie Aussagen über den Beitrag des Faches zur Realisierung der Trias der Ziele der gymnasialen Oberstufe getroffen werden können. Auf Grundlage dieser Aussagen wird dann die Frage diskutiert, wie sich eine konsistente und vor allem an der Praxis des Unterrichts erprobte Didaktik für Grundkurse der gymnasialen Oberstufe formulieren ließe, die in Bezug auf normativen Aspekte konzeptionell handlungsleitend sein könnte. Der erhobene Anspruch einer Verbindung tatsächlichen Unterrichts mit den Vorgaben und Ansprüchen der Richtlinien und Lehrpläne wird somit notwendigerweise weitere interdependente Themenbereiche umfassen: Die Bestimmung von Normen und Kriterien für Sportunterricht mit Blick auf die geforderte Abiturfähigkeit sowie die Entwicklung von Instrumentarien, mit Hilfe derer sich diese Normen und Kriterien im Sportunterricht bezüglich ihrer Realisierbarkeit beobachten und letztlich für einen externen Rezipienten nachvollziehbar beschreiben lassen.

Aufbau der Arbeit: In der Aufarbeitung des Forschungsstandes orientiert sich die Arbeit zunächst an einem kurzen historischen Abriss der Entwicklungen und Veränderungsbestrebungen fachübergreifender Abituranforderungen. Diese werden in der momentan geltenden Fassung diskutiert, wobei vor dem Hintergrund der fachwissenschaftlichen Diskussion neben einer historischen Darstellung und Nennung dieser Kriterien außerdem versucht wird, diese Ziele hermeneutisch voneinander abzugrenzen und für die weitere Verwendung innerhalb der Arbeit zu operationalisieren. Ebenfalls an einer historisch-hermeneutischen Darstellung orientierend, werden diese allgemeinen Vorgaben dann mit den landes- und fachspezifischen Richtlinien und Lehrplänen des Sportunterrichts in der gymnasialen Oberstufe für das Land Nordrhein-Westfalen in Verbindung gesetzt. Des Weiteren sollte ersichtlich werden, inwieweit die seit 1999 in NRW geltenden Richtlinien und Lehrpläne Sport in einer Linie zu den geltenden ministeriellen Vorgaben gesehen werden können. Auf Grundlage dieser sowohl fachübergreifenden als auch fachspezifischen Vorgaben gilt es dann, Normen und Kriterien für oberstufengemäßen und abiturrelevanten Oberstufensport zu formulieren. Der sich daran anschließende Hauptteil der Arbeit wird neben einer fundierten Darstellung der verwendeten systemischen Beobachtungstheorien eine ausführliche und detaillierte Stundenbeschreibung umfassen, mit der Absicht, die theoretischen Forderungen mit dem beobachteten Unterricht in Verbindung zu setzen. Aufgrund der qualitativen, subjektorientierten Beschreibung der Beobachtungsgegenstände sei darauf hingewiesen, dass eine stringente Trennung zwischen dem Kapitel zur Untersuchungsmethodik, der Darstellung der Beobachtungsgegenstände sowie dem Kapitel der Untersuchungsergebnisse nicht in der traditionell gängigen Form vorgenommen wird. Punkt 5 des Inhaltsverzeichnisses ''Darstellung ausgewählter Sportstunden und der dazugehörigen Klausur- und Abiturprüfungen'' wird daher vor allem innerhalb des jeweils formulierten Fazits bereits starke auswertende bzw. bewertende Aspekte beinhalten, die im traditionellen Sinne dem Kapitel der Untersuchungsergebnisse zugeordnet werden könnten. Die trotzdem vorgenommene Abgrenzung zwischen den Kapiteln 5 und 6 begründet sich dadurch, dass sich die im Kapitel 6 beschriebenen Untersuchungsergebnisse auf Erkenntnisse stützen, welche über die Beschreibung einzelner Beobachtungsgegenstände innerhalb des fünften Kapitels hinausgehen und sich mehr auf übereinstimmende Strukturen der Beobachtungsgegenstände beziehen bzw. möglicherweise den Beobachter befähigen, eine übergreifende Problemsituation aufzudecken. Mit engem Bezug auf die verwendeten systemischen Beobachtungstheorien (Kapitel 4) wird auf Grundlage der konkreten Beschreibungen der Beobachtungsgegenstände (Kapitel 5) somit im sechsten Kapitel beabsichtigt, Strukturen und Funktionsmechanismen zu formulieren sowie Interventionsmöglichkeiten darzustellen, die den beobachteten Unterricht bestimmt haben bzw. zukünftigen Sportunterricht im Sinne der Rahmenvorgaben bestimmen könnten. Das abschließende Fazit wird die formulierten Anforderungen mit den beschriebenen Beobachtungsergebnissen in Verbindung setzen sowie Aussagen über die Realisierbarkeit, aber auch mögliche Auswirkungen einer Umsetzung dieser Anforderungen auf den alltäglichen Sportunterricht in der gymnasialen Oberstufe erwarten lassen dürfen.

Systemstelle: 2 Pae 535

  • Der Volltext der Dissertation ist nur aus dem Netz der Deutschen Sporthochschule zugänglich.

28.04.2017 - 03:18