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Dissertation: Elizabeth AL Schlüssel


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Dissertation: Elizabeth AL Schlüssel

Aus dem Institut für Sportgeschichte der Deutschen Sporthochschule Köln Geschäftsführender Leiter: Prof. Dr. Manfred Lämmer

Zur Rolle der Musik bei den Eröffnungs- und Schlußfeiern der Olympischen Spiele von 1896 bis 1972

Von der Deutschen Sporthochschule Köln zur Erlangung des akademischen Grades Doktor der Sportwissenschaft genehmigte Dissertation

vorgelegt von Elizabeth Audrey Leckie Schlüssel aus Titusville / Pennsylvania, USA

Köln 2001

Einleitung:

Die Arbeit beginnt mit einem Rekurs auf das antike griechische Musikverständnis, erläutert musikalische Geschmackspräferenzen Coubertins und behandelt eingehend in chronologischer Abfolge das Musikdargebot der Festfeiern von Athen bis München.

Die Rolle der Olympischen Hymnen wird besonders herausgestellt. Der Streit um die Spisak-Hymne von 1956 erscheint als Kampf um das ideelle Erbe Coubertins, d. h. um die Frage, ob die OS vorrangig sich erzieherischem Impetus oder der Zelebration von Siegertypus und gefälligem Unterhaltungsinteresse verschreiben sollten. Zwischen ''Markt oder Tempel'' habe man sich zu entscheiden, hatte Coubertin pointiert gefordert. Das Bild des ''Tempels'' stand für die weltverbessernde pädagogisch-ethische Dimension seiner Olympischen Idee, in der ''Markt''-Orientierung sah er deren Untergang voraus. Der Symbolik der olympischen Kernrituale suchte er eine entsprechend erhaben-feierliche Tönung beizugeben.

Carl Diem, Generalsekretär der Olympischen Spiele 1936, verwies darauf, Coubertins Vorstellungen in vollendeter Form entsprochen zu haben. Die Berliner Eröffnungsfeier verlief hinsichtlich ihrer nationalistischen Implikationen in den Bahnen vorheriger olympischer Festfeiern. Einzigartig war der Grad der Indienstnahme der musikalischen Inszenierung für den Führerkult. Merkwürdigkeiten weisen auf Eingriffe des Regimes hin und lassen die Verantwortlichen opportunistischer erscheinen, als sie im nachhinein zugestehen wollten.

Verdeckte politische Einflussnahme auf Musik und Musiker hinter den Kulissen war auch dem Gestaltungsprozess der Festfeiern der sog. ''heiteren Spiele'' von 1972 nicht fremd. Als Gegenbild zu den Berlin-Feiern konzipiert, kehrte die Münchener Eröffnungsinszenierung eine beflissene Nation- und Traditionsvergessenheit hervor. Die Absatzbewegung von Coubertinschen Festvorstellungen, die unterhaltungsoptimierende Neustrukturierung des Olympischen Festprotokolls und die globale Marktgängigkeit heutiger hollywoodesker olympischer Festshows erhielten durch Münchener Vorarbeit kräftigen Anstoß.

Abstract: The thesis begins with an examination of the ancient Greek understanding of music, explains Coubertins taste in music and discusses in detail the music at the Olympic ceremonies from Athens 1896 to Munich 1972 in chronological order.

The role of the Olympic Hymn is given particular emphasis. The conflict regarding the Spisak Hymn of 1956 is portrayed as a battle for Coubertins heritage, i.e. whether the Olympic Games should devote themselves to an educational impetus or to the celebration of the winner and to popular entertainment. Coubertin demanded that the organisers had to chose between ''market or temple''. The image of the ''temple'' stood for the world-bettering, pedagogical-ethical dimension of his Olympic Ideal; Coubertin saw the destruction of this ideal in an orientation towards the ''market''. Coubertin sought to lend a noble, festive touch to the symbolism of the Olympic core rituals.

Carl Diem pointed out that he, as General Secretary of the 1936 Games, had fulfilled Coubertins wishes perfectly in Berlin. The ceremonies in Berlin did not differ in their nationalistic implications from those of past Olympic cermonies. However, they did differ in the extent to and the way in which music was used for the purposes of the Führer cult. Various peculiarities point to deliberate intervention by the regime and make those responsible look more opportunistic than they were latterly willing to admit.

The musicians involved in the planning process of the ceremonies of the Games of 1972 and also their compositions were subject to hidden political influence behind the scenes. The Munich ceremonies are shown to have been planned as a counterpart to those in Berlin. Thus they presented an overzealous attempt to drive national and traditional German elements into obscurity.

The Munich Olympics undertook a new structuring of the Olympic ceremonial protocol with the aim of optimising the entertainment value of the Olympic ceremonies. In doing so, the Munich Games initiated the global marketability of the present-day type of hollywoodesque Olympic show and, with it, the loss of Coubertin s concept of how the Olympic ceremonies ought to be presented.

  • Der Volltext der Dissertation ist nur aus dem Netz der Deutschen Sporthochschule zugänglich.

17.12.2017 - 03:16